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Hundert Kamele

Hundert Kamele - Blog eines Lufthansa CityLine Kapitäns

Blog eines Lufthansa CityLine Kapitäns
Aktualisiert am 26. Februar 2011

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Erfahrungbericht eines Trainingskapitäns

Meine Karriere beim Fliegen begann am 14. Dezember 1988. Mein 24. Geburtstag. Es war ein heiterer eifriger junger Mann, der zu einer Schnupperstunde in einer kleinen Piper Tomahawk ausschritt.

Meine Karriere endete 19 Jahre später am 15. Februar 2007. In meiner 19-jährigen Karriere flog ich mehrere Leichtflugzeuge und zwei Passagierflugzeuge – ein Turboprop und ein Kurzstreckenjet.

Meine Karriere begann am 2. Februar 1994. Zu dieser Zeit war ich schon 4 Jahre Fluglehrer. Ich hatte 2000 Stunden Flugzeit voll und Jahre damit verbracht einen Job zu bekommen. Endlich startete ich meine Karriere.

Ich flog den Turboprop zwei Jahre als Copilot und wurde Flugkapitän im Sommer 96. Während dieser Zeit war ich eine fitte und aktive Person. Ich spielte regelmäßig Rugby, lief dreimal die Woche und machte Gewichtheben. Meine Karriere entwickelte sich immer besser und ich wurde zwei Jahre später zum Trainingskapitän befördert. Ich flog dieses Flugzeug bis Juni 2001. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch in bester Gesundheit und freute mich auf die Herausforderung eines neuen Flugzeugtyps.

 

„Ich wünschte mir so sehr, dass es uns treffen würde, so dass mein Dienst für diesen Tag vorbei sein konnte. Nur damit es vorbei war – ganz egal wie.“


 

Ich begann im Juli 2001 ein neues Flugzeug zu fliegen und zunächst lief alles gut. Ich fand das neue Jet sehr spannend und eine Herausforderung zu fliegen. Der neue Flugzeugtyp gab meiner Karriere die Begeisterung und Energie, die ich brauchte. Über die nächsten zwei Jahre hinweg hatten wir eine Anzahl von kleinen Fume Events. Sich erstreckend von stinkender Luft im Flugzeug bis hin zu einem Mayday, wegen dem wir zum Abflughafen zurückkehren mussten. Dieses große Event geschah im April 2004. Nach dem Vorfall ging die Crew, einschließlich mir, zum Arzt. Alle von uns wurden durchgecheckt und alle außer mir wurden als gesund erklärt. Ich litt an den Auswirkungen des Rauches und dem Einatmen der Chemikalien. Meine Symptome zu dieser Zeit waren Halsschmerzen, Kopfschmerzen und allgemeine Benommenheit. Fast wie ein Kater aber ohne den ganzen Spaß zuvor.

Ich ging am nächsten Tag wieder zur Arbeit, aber über die nächsten Wochen und Monate hinweg litt ich an großer Ermüdung. Egal wie lange ich mich ausruhte, ich fühlte mich immer erschöpft. Zu dieser Zeit machte mich die extreme Müdigkeit psychisch krank, aber ich schob das alles auf den belegten Dienstplan. Schließlich passierten zwei Dinge, beide am gleichen Tag. Nummer eins passierte am Ende des 4. Fluges des Tages, an dem ich früh aufgestanden war. Wir starteten um 5 Uhr morgens und flogen nachmittags um halb vier immer noch. Ich war so müde, dass mein Geist Tricks mit mir spielte.

Beim Anflug mit Rückenwindanteil kam ein TCAS Ziel auf den Monitor (ein Zeichen für ein anderes Flugzeug in der Nähe). Ich wünschte mir so sehr, dass es uns treffen würde, so dass mein Dienst für diesen Tag vorbei sein konnte. Nur damit es vorbei war – ganz egal wie. Ich kämpfe gegen diese Gedanken an um bis zur Landung rational zu bleiben. Nach dem Abschalten der Triebwerke guckte mich der Co-Pilot an und sagte: „Du bist nicht du selbst, vielleicht brauchst du eine Pause.“ Ich werde diese Worte nie vergessen und werde ihm für seine Ehrlichkeit immer dankbar sein.

Ich wusste, dass ich etwas unternehmen musste. Als ich nach Hause kam, sah mich meine Frau an und buchte mir einen Termin beim Arzt. Mein Gesicht war grau und eingefallen. Der Arzt schrieb mich für 4 Wochen krank und das Unternehmen war geschockt. An die ersten 2 Wochen erinnere ich mich nicht gut, aber mir ging es langsam besser und ich wollte auf jeden Fall zurück zur Arbeit gehen. Einige Facetten meines Lebens begannen wiederzukommen. Ich erinnere daran, dass ich mich in mein Haus genau umschaute und Mails entdeckte, die seit Wochen ungelesen waren. Meine Freunde in meiner Stammkneipe fragten wo ich den letzten 2 Monaten gewesen war. Ich war sogar zu müde gewesen mein normales Leben zu führen.

Nach 4 Wochen ging ich wieder zurück zur Arbeit, eifrig und begeistert das Fliegen wieder aufzunehmen. Kurz danach kamen die Ermüdungserscheinungen wieder. Zusätzlich bekam ich im Laufe der nächsten drei Jahre mehrere voneinander unabhängige Symptome. Dinge wie kribbelnde Finger, Magenbeschwerden, Kribbeln meines rechten Arms und der rechten Schulter, Probleme des Kurzzeitgedächtnisses, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Wenn ich Sport machte fand ich, dass ich nicht sehr weit laufen konnte und die gleichen Gewichte schienen auf einmal zu schwer für mich zu sein. Ich hatte einfach nicht die Energie richtig zu trainieren, aber ich schrieb das dem Älter werden zu.

Zu der Zeit (Dezember 2006) war ich ein Repräsentant der Gewerkschaft. Eins unserer Mitglieder kam zu mir ins Crew Center und fragte mich über mögliche Gesundheitsrisiken von Fume Events. Ich wusste nichts darüber und sagte ihm, dass ich recherchieren und später zu ihm zurückkommen würde. Über die nächsten Tage hinweg durchsuchte ich das Internet nach Symptomen und anderen Dingen, die damit zusammen hingen. Als ich dies tat dachte ich, dass einige dieser Symptome sich wie die anhörten, an denen ich litt. Ich sprach zu meinen AME (Arzt für Piloten), BALPA (britische Pilotenvereinigung), und rief sogar den CAA (UK Luftfahrt-Bundesamt) an um an mehr Informationen zu gelangen. So wenig war erreichbar.

Ich machte weiter mit dem Fliegen, immer noch neugierig. Endlich bekam ich Hilfe von meiner Hausärztin, indem sie einen Bluttest arrangierte. Eine Woche später kamen meine Ergebnisse und zeigten, dass sich Organophosphatgemische in meinem Blut befanden. Woher konnten die kommen? Ich rauchte nicht, wohnte nicht einmal in der Nähe einer chemischen Einrichtung und es fiel mir kein anderer Ort ein, wo ich diesen Chemikalien ausgesetzt war. Außer an meinem Arbeitsplatz. In den letzten 14 Jahren war ich mehrere Flugzeuge mit Verdichterzapfluft geflogen und hatte eine Anzahl von Fume Events erlebt.

Nach den Ergebnissen suchte ich wieder nach Hilfe bei der CAA und BALPA. Wieder gab es keinen praktischen Vorschlag. So flog ich weiter. Zwei Wochen später wiederholte sich der Zwischenfall, bei dem ich das letzte Mal wegen Erschöpfung krankgeschrieben worden war.

Ich war erschöpft, machte viele Fehler und fragte sogar drei Mal nach, ob wir die Starterlaubnis bekommen hatten. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren oder Informationen behalten. Ich fühlte mich physisch ausgelaugt. Das Flugzeug, das ich flog hatte einen technischen Logbucheintrag, der besagte dass es empfänglich für Geruch von Chemikalien sei und das Ergebnis der letzten vier Reihen war, dass keine Passagiere mitgenommen und das Flugzeug nur für eine Stunde oder weniger fliegen durfte.

Am Ende des Tages fragte mich der Copilot, ob ich ok wäre. Wir wussten beide, dass ich an diesem Tag zu viele Fehler gemacht hatte. Als ich am nächsten Tag aufwachte, fühlte ich mich wieder als wenn ich einen Kater hätte. Ebenfalls wieder ohne das Trinken und den Spaß zuvor. Ich wusste nur, dass ich so nicht weiter machen konnte. Ich rief den CAA an um nach Rat zu fragen und teilte ihnen meine Sorgen über die Folgen der möglichen Aussetzung des Rauches und die Auswirkungen, die es auf mich haben könnte, mit. Als ich ihnen meine Symptome ausführlich beschrieb, hörte mir der Arzt geduldig zu und entschied sich dafür mich nicht mehr fliegen zu lassen. Der Flug am Tag zuvor sollte mein letzter gewesen sein.

Ich ertrug Monate mit Untersuchungen, wie unter anderem Tests meines Blutes, der kognitiven Funktionen, genetischer DNA und der autonomen Nerven. Endlich wurde ich mit toxischer Enzephalopathie und Nervenleiden diagnostiziert. Außerdem mit Beschädigung des Kurzeitgedächtnisses wegen Aussetzungen von Chemikalien.

Seitdem ist meine Karriere beendet und ich bin Hausmann. Wegen meiner Krankheit bin ich nur noch ein Schatten meinerselbst. Ich mache immer noch Sport (auf den Rat des Arztes hin) aber ich laufe kein Marathon mehr und ein Rugby-spielender Trainingskapitän war ich einmal. Ich habe so gut wie kein Kurzzeitgedächtnis mehr. Alles was ich tue, mache ich von einer Liste, die ich immer mit mir herum trage. Ich habe die gleichen Unterhaltungen immer und immer wieder. Es passieren auch komische Dinge. Ich verlaufe mich in einer Stadt, die ich eigentlich gut kenne und oft sitzte ich im Auto und weiß nicht wohin ich fahre und warum. Während ich diesen Text schreibe ist es 11:55 Uhr Vormittags und ich brauche dringend Schlaf.

Also das ist meine Geschichte. Nur wenige Leute wissen was Aerotoxisches Symptom wirklich bedeutet. BALPA und die Fluggesellschaften ignorieren es verzweifelt und distanzieren sich von jedem Beweis, dass Flugzeuge und besonders kontaminierte Kabinenluft und langzeitige Gesundheitsprobleme zusammenhängen.

Bitte lese Sie meine Geschichte mit einem offenen Gemüt und entscheiden Sie für sich selbst. Wenn Sie weiter recherchieren werden Sie herausfinden, dass ich einer von Hunderten von Piloten bin, deren Karrieren frühzeitig und sehr unfreiwillig durch das Symptom beendet wurden.

Dieser Erfahrungsbericht auf Englisch