Was ist das Aerotoxische Syndrom?
Aerotoxisches Syndrom ist der Name der Krankheit, die durch häufiges Einatmen der kontaminierten Kabinenluft im Flugzeug auftritt. Der Begriff wurde am 20. Oktober 1999 von Dr. Harry Hoffman, Professor Chris Winder und Jean Christophe Balouet Ph.D. eingeführt.
Warum wird Kabinenluft kontaminiert?
Um eine komfortable Umgebung und einen ausreichenden Luftdruck in der Kabine zum Atmen zu haben, ist in der Flughöhe, in der Passagierflugzeuge normalerweise fliegen, warme Druckluft erforderlich. Diese Luft wird durch das Triebwerk bereitgestellt und ist so in Kontakt mit beweglichen Teilen, die mit Öl in Verbindung kommen. Es gibt verschiedene Dichtungen am Triebwerk, die dafür da sind um das Schmieröl und die Luft zu trennen. Durch ihre Beschaffenheit können diese Dichtungen nicht 100% effektiv sein und es wird ein bestimmter Teil des Öls in die Luft gelassen. Sie werden viel beansprucht, werden also abgenutzt und können wie jeder andere mechanische Bestandteil ausfallen. Wenn eine große Menge von Öl sich mit der sehr heißen komprimierten Luft vermischt, gelangen Dämpfe oder Rauch in die Kabine. Das ist bekannt als ein „Fume Event“. Es gibt keine Filter in der Kabinenluftzufuhr, die es verhindern könnten.
Wie oft findet ein „Fume Event“ statt?
Statistiken der Regierung zeigen, dass in einem von 2000 Flügen ein „Fume Event“ stattfindet. Aber es wird über dieses Problem immer noch nicht genug berichtet. Vor allem durch Ignoranz oder kommerziellen Druck auf die Piloten und das Wartungspersonal. Die Definition eines Fume Events und der Unterschied zwischen Rauch und Dunst sind manchmal unklar.
Kann ich es merken, wenn die Luft in der Kabine kontaminiert ist?
Sie können im Stande sein einen bläulichen Dunst oder Rauch in der Kabine zu sehen oder möglicherweise einen Geruch wahrnehmen. Dieser Geruch wurde oft beschrieben als schwitzige Socken, einem nassen Hund, Erbrochenem oder einem süßen, öligen Geruch. Hintergrundwerte von Verunreinigung sind meist nicht feststellbar.
Warum ist der Rauch so giftig?
Ein komplexes synthetisches Öl ist erforderlich, das dazu bestimmt ist der äußeren Umgebung der Triebwerke standzuhalten. Es enthält viele giftige Inhaltsstoffe, einschließlich Trikresylphosphat, das als ein Mittel gegen Abnutzung eingesetzt wird. Es ist ein Organophosphat und ist für seine neurotoxischen Eigenschaften bekannt. Organophosphate werden unter anderen für die Herstellung von Nervengas benutzt.
Was sind die Symptome?
Die Symptome können akut auftreten, zum Beispiel für eine kurze Zeit nach dem Flug, oder chronisch. Einige dieser folgenden Symptome können auftreten:
- Ermüdung - sich sogar nach einer Schlafphase erschöpft fühlen
- Vernommenes Sehen oder Tunnelblick
- Schüttel- und Zitterzustände
- Gleichgewichtsstörungen
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit
- Beeinträchtigung des Gedächtnisses
- Kopfschmerzen
- Tinnitus
- Benommenheit, Schwindel
- Verwirrung, kognitive Beschwerden
- Vergiftungsgefühle
- Übelkeit, Brechreiz
- Durchfall
- Irritationen der Augen
- Erbrechen
- Husten
- Atemschwierigkeiten (Kurzatmigkeit)
- Druck auf der Brust
- Ausfall der Atemwege
- Erhöhung der Herzfrequenz und Herzklopfen
- Reizung von Augen, Nase und der oberen Atemwege
Der Begriff „Aerotoxisches Syndrom“ ist noch nicht offiziell anerkannt und viele Ärzte sind sich der Lage noch nicht bewusst. Deshalb werden viele Betroffene falsch diagnostiziert, wie zum Beispiel mit Krankheiten wie psychologischen oder psychosomatischen Störungen (sie werden Ihnen zum Beispiel erzählen, dass sie sich die Krankheit nur einbilden), chronisches Erschöpfungssyndrom, multiple Chemikalienunverträglichkeit, unerklärliche Virusinfektionen, Schlafstörungen, Depressionen, Stress oder Angstzustände.
Obwohl einige dieser Krankheiten Symptome des Aerotoxischen Syndroms sein können, mag allein die Diagnose nicht sehr hilfreich sein, da die Grundursache des Problems behandelt werden muss.
Ist das Aerotoxische Syndrom heilbar?
In milderen Fällen sind die Auswirkungen reversibel und werden von selbst weggehen. Ernstere Symptome können zu neurologischen Schäden führen, bei denen es länger dauert sich zu erholen oder sogar einen permanenten Schaden anrichtet. Es gibt keine magische Heilmethode, aber wir empfehlen Ihnen zur Heilung fördernde Strategien oder Spezialisten, die dazu fähig sind Ihnen zu helfen. Der erste Schritt ist das Problem zu erkennen und weitere Aussetzungen des Giftes so weit wie möglich zu vermeiden oder einzuschränken.
Kann jeder betroffen sein?
In erster Linie ist das zentrale Nervensystem von den Giften betroffen. Es ist durch genetische Variabilität nicht leicht vorherzusagen wie die kontaminierte Luft Sie beeinträchtigen wird. Der Körper einer Person mag mit dem Entgiften von Schadstoffen weniger Erfolg haben als ein Anderer und ist so schon nach nur einem Flug, in dem die Gifte eingeatmet wurden, betroffen. Ein anderer mag völlig unbeeinflusst sein, obwohl er Jahre dem Gift ausgesetzt war oder ein ernstes Fume Event mit sichtbarem Rauch in der Kabine erlebt hat.
Symptome können von kurzer Dauer oder langfristig sein, aber mit wiederholter Aussetzung können sie stärker werden und länger andauern. Deshalb können immer mehr akute Symptome mit der Zeit zusammenkommen und chronisch werden.
Nach einem Fume Event zeigt man zunächst eventuell keine Symptome, aber fängt dann an sich nach einige Tagen nach dem Flug krank zu fühlen.
Seit wann kennt man dieses Problem?
Der erste gut dokumentierte Fall war von einem C-130 Hercules Navigator, der nach dem Einatmen kontaminierter Kabinenluft 1977 außer Gefecht gesetzt wurde. Die neurologischen Eigenschaften von Organophosphaten kennt man bereits seit dem zweiten Weltkrieg.
Widmet sich die Luftfahrtindustrie diesem Problem?
Verschiedene Regierungen und Aufsichtsbehörden haben Forschung beauftragt, waren aber bis jetzt noch nicht imstande einen Zusammenhang zwischen kontaminierter Kabinenluft und chronischen Gesundheitsproblemen schlüssig zu beweisen, obwohl zahlreiche voneinander unabhängige Studien klare Beweise für die Verbindung beweisen. Unternehmensgewinn, Interessenkonflikte und unwirksame Kontrollen durch die Regierung und Aufsichtsbehörden zeigen, dass die Industrie als Ganzes immer noch die Augen vor diesem Problem verschließt.
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